Rückblick und Ausblick

Vor über 25 Jahren gingen die St. Vincentiuskliniken, das Diakonissenkrankenhaus und das Städtische Klinikum Karlsruhe eine Kooperation ein, so dass nach der Schließung der Landesfrauenklinik die Hebammenausbildung in Karlsruhe gesichert werden konnte. Bis heute absolvieren jährlich 14 Hebammenschülerinnen ihre praktische Ausbildung in diesen drei Trägerkliniken, je fünf im Städtischen Klinikum Karlsruhe und dem Diakonissenkrankenhaus, vier in der Marienklinik, die Frauenklinik der St. Vincentiuskliniken. Dieses Modell ist bis heute einzigartig! Der theoretische und fachpraktische Unterricht findet für alle zusammen in der Hebammenschule statt, die sich momentan noch im Gebäude W neben dem kinderärztlichen Notdienst befindet.

Grundkurs Hebammenschule
Grundkurs Hebammenschule

Das Ziel der Hebammenausbildung ist der Erwerb der Kompetenzen, um Frauen während der Schwangerschaft, der Geburt und des Wochenbettes zu beraten und zu betreuen sowie Komplikationen zu erkennen und Hilfe zu leisten, ebenso im Umgang mit dem Neugeborenen.
Die selbständige Leistung der Geburtshilfe stellt hohe Anforderungen an die Hebammen. Empathie, fachlich-kognitive Kompetenz sowie handwerkliches Geschick gehören heute wie früher zu den Schlüsselqualifikationen einer Hebamme.

Leopoldsche Handgriffe
Leopoldsche Handgriffe

In 3 Jahren Ausbildung werden diese Kompetenzen und Lernziele durch die Lehrerinnen und Dozenten der Hebammenschule sowie den Praxisanleiterinnen, Hebammen und Ärzten in der Praxis vermittelt. In den Kreißsälen und auf den Wochenstationen erleben die Auszubildenden real die Anforderungen an den Berufsstand. Geburten zu Land oder zu Wasser, im Bett oder auf dem Hocker werden von den Hebammenschülerinnen betreut und zusammen mit der Hebamme geleitet.

Gebärposition
Gebärposition

Selbstverständlich werden die Auszubildenden auch mit komplizierten Schwangerschafts- oder Geburtsverläufen konfrontiert und lernen, diese zu erkennen und nötige Maßnahmen zu ergreifen. 

Das Betätigungsfeld der Hebamme beschränkt sich nicht auf die Betreuung während der Geburt im Krankenhaus oder der stationären Betreuung von Mutter und Kind während des frühen Wochenbettes. Einige Frauen entscheiden sich für eine außerklinische Geburt, sei es zu Hause oder in einem Geburtshaus. Die Ausbildung befähigt dazu, auch diese Geburten professionell zu begleiten und zu betreuen. Das Feld der Freiberuflichkeit insgesamt ist weit und reicht von Schwangerenvorsorge, Geburtsvorbereitungskurse, außerklinische Geburtshilfe oder klinische Geburtshilfe im Hebammenbelegsystem über häusliche Nachsorge, Rückbildungskurse bis hin zu besonderen Betreuungsangeboten wie beispielsweise Akupunktursprechstunden oder Ernährungsberatungen.

Geburtsvorbereitung

Eine adäquate Vorbereitung auf diese beruflichen Tätigkeiten bieten Externate, die die Hebammenschülerinnen bei freiberuflichen Hebammen oder in Geburtshäusern, beim Frauenarzt und in jeweils einer der anderen Ausbildungskliniken verbringen,  aber auch spezifische Projekte der Schule (z.B. Rückbildungsprojekt).  Denn Hebammenarbeit in der Freiberuflichkeit ist Beratung und Anleitung zur Selbsthilfe, bei der die ganzheitliche und individuelle Betreuung stets im Vordergrund steht. In der Ausbildung erwirbt die Hebammenschülerin Beratungskompetenz im Bereich Prävention und Gesunderhaltung in unterschiedlichen Bereichen. Durch gesellschaftliche Veränderungen ist die Hebamme nicht nur in ihrer „Kernkompetenz“ Betreuung von  Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett eine wichtige Ansprechpartnerin, sondern auch in der Prävention, Familienplanung, Entwicklung des Kindes und Gesunderhaltung der ganzen Familie. Aus diesem Bedarf heraus entwickelte sich in den letzten Jahren die Spezialisierung zur Familienhebamme.

Das Berufsbild der Hebamme verändert sich also aufgrund gesellschaftlicher Bedürfnisse. Daher wünschen sich Auszubildende, Hebammen, Lehrerinnen im Hebammenwesen und der Deutsche Hebammenverband (DHV) eine Novellierung des Hebammengesetzes und der damit verbundenen Gesetzgebung für die Ausbildung, um die noch aus dem Jahre 1985 stammende Ausbildungs- und Prüfungsverordnung dem Anforderungsprofil der Hebammenarbeit anzupassen.

Die Ausbildung beginnt jedes Jahr zum 1. April und dauert 3 Jahre. Gesundheits- und Krankenschwestern und Gesundheits- und Kinderkrankenschwestern steigen zum Mittelkurs in die Ausbildung ein und absolvieren eine zweijährige Ausbildung. Die hohe Zahl an Bewerbungen lässt vermuten, dass trotz existentiell bedrohlicher Entwicklungen in der Gebührenordnung und den Versicherungskosten der Beruf nicht an Attraktivität verloren hat und noch immer für viele als Traumberuf gilt. Durchschnittlich kommen auf einen Ausbildungsplatz 20 bis 30 Bewerbungen. Für die Ausbildung befähigt der mittlere Bildungsabschluss, jedoch verfügen ca. 75% der Bewerberinnen über das Abitur oder die Fachhochschulreife. Bei den Bewerberinnen handelt es sich nahezu ausschließlich um Frauen, männliche Bewerber sind äußerst selten.
Da die meisten Bewerberinnen im Vorfeld ein Praktikum im Krankenhaus oder bei einer freiberuflichen Hebamme absolviert haben, sind sie umfassen über das Berufsfeld informiert. Dies ist sicherlich ein Grund, weshalb nur wenige Auszubildende die Ausbildung vor dem Abschluss beenden.

Seit 2010 gibt es bundesweit zusätzlich die Möglichkeit, bereits während der Ausbildung oder im Anschluss an diese durch ein zusätzliches Fachhochschulstudium, den akademischen Grad Bachelor of Science in Midwifery zu erlangen. In der Schweiz und in Österreich wurden die Ausbildungen 2008 und 2009 novelliert. Daher ist Deutschland nun das einzige Land innerhalb der EU ohne Akademisierung im Hebammenbereich. Um auch in Zukunft den Anforderungen des Berufs und der Ausbildung gerecht zu werden, wird auch in Deutschland über bedarfsorientierte Lösungen nachgedacht werden müssen.

Das Team der Hebammenschule, das aus der Schulleitung Frau Koch, der Schulsekretärin Frau Kimmelmann, der Lehrerin für Pflegeberufe Frau Löfflath sowie den Lehrerinnen für Hebammenwesen Frau Colen und Frau Dietrich besteht, freut sich auch in Zukunft über reges Interesse am Hebammenberuf und ist stets offen für Neuerungen und Veränderungen!

Team der Hebammenschule
Team der Hebammenschule