Erfahrungsberichte von Auszubildenden

Ein Tag auf der Wochenstation S22

Momentan bin ich auf der S22 eingesetzt. Dies ist eine der beiden Wochenstationen. Der Einsatz geht über 6 Wochen. Heute habe ich Frühdienst. Die Übergabe vom Nachtdienst findet im Aufenthaltsraum statt. Die einzelnen Bereiche werden unter dem Stationsteam aufgeteilt. Ich gehe heute mit Natalie mit. Wir richten den Wagen mit allen benötigten Utensilien für die Wochenbettvisiten. Dann geht es los ins erste Zimmer. Wir messen die Vitalzeichen bei Frau N. Sie hat gestern ihr erstes Kind geboren. Wir führen die Wochenbettvisite bei ihr durch. Angefangen bei der Palpation der Brüste über das Tasten des Fundus und der Begutachtung der Geburtsverletzung und des Wochenflusses. Es geht der Wöchnerin soweit ganz gut. Auch wenn sie ziemlich müde ist, weil ihre kleine Tochter sie in der Nacht wenig hat schlafen lassen. Nachdem wir bei ihr fertig sind, holen wir das Neugeborene aus dem Beistellbettchen und nehmen es mit auf den Wickeltisch. Dort wird es ganz ausgezogen und wir begutachten das kleine Mädchen von Kopf bis Fuß. Sie ist rosig und vital. Nachdem wir sie frisch gewickelt und angezogen haben, darf sie wieder zu ihrer Mama. Ich helfe Frau N. dabei, die Kleine, die eindeutige Hungerzeichen zeigt, anzulegen. Es braucht etwas Zeit bis Mutter und Kind ein eingespieltes Team sind und das Stillen ohne Probleme klappt. Aber Frau N. ist guten Mutes und will unbedingt stillen.

Jetzt geht es weiter ins nächste Zimmer...

Nachdem wir mit der Wochenbettvisite durch sind, richten wir das Frühstücksbuffett und die ersten Frauen kommen bereits nach vorne um zu frühstücken.

Im Laufe des Vormittags kommen die Kinderärzte auf Station, um die U2 bei den Säuglingen durchzuführen, die heute entlassen werden. Bevor die Kinder zu den Ärzten kommen, müssen wir sie wiegen, messen und den Bilirubinwert in der Haut bestimmen.  Bei einigen Kindern muss auch noch die Blutabnahme für den Guthrie-Test vorgenommen werden. Natalie leitet mich an und ich darf zum ersten Mal aus der Ferse eines Neugeborenen Blut abnehmen. Es klappt ganz gut und das Baby weint nur ganz kurz. Danach werden die Wickeltische aufgefüllt, und wir gehen in die einzelnen Zimmer, wenn die Frauen klingeln.

Nach dem wir das Mittagessen ausgeteilt haben, kommt auch schon der Spätdienst zur Übergabe. Der Dienst geht langsam zu Ende. Der Einsatz auf der Wochenstation ist interessant und lehrreich. Das Team (Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, Hebammen und Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen) ist sehr nett und hilft uns bei allen Anliegen und Fragen. Wir dürfen die Frauen fast immer über mehrere Tage hinweg betreuen. So bekommen wir einen guten Überblick über den Verlauf des Wochenbetts in den ersten 3-5 Tagen nach Geburt.

Ein Schultag in der Hebammenschule Karlsruhe

Wie jeder Schultag startete der Unterricht um 9 Uhr mit lauter motivierten, nur teilweise noch müden WeHen (werdenden Hebammen).

Die ersten zwei Doppelstunden erzählte uns die wie immer gut gelaunte und motivierte Frau Fietz den anatomischen Bau des Beckens mit den dazugehörigen Bändern und den Muskeln des Beckenbodens sowie die physiologische Veränderung der Geschlechtsorgane während der Schwangerschaft und der Geburt. Wir hörten interessiert zu und versuchten uns all die vielen lateinischen Bezeichnungen zu merken.

Nach unserer einstündigen Mittagspause betrat Frau Heck, unsere Kursleitung, das Klassenzimmer und verkündete, dass es heute endlich so weit sei und wir die Durchführung der Vaginalen Untersuchung (VU) in der Theorie erlernen.

Lauter strahlende Gesichter saßen da und hörten Frau Heck bei der Erläuterung des heutigen Ablaufs zu:


Zu Beginn sammelten wir Indikationen und Kontraindikation für eine VU, anschließend zeigte uns unsere Lehrerin die Vorbereitung und Durchführung einer vaginalen Untersuchung und wir besprachen die möglichen Befunde. Zum Ende des theoretischen Teils des Unterrichtes teilte uns Frau Heck wie so oft Artikel aus Hebammenzeitschriften zum passenden Thema aus.

Im zweiten Teil des Unterrichtes folgte der etwas spannendere Part: praktische Übungen zum Thema.

Wir wurden in drei Gruppen aufgeteilt und durften drei verschiedene Stationen besuchen.

Die erste Station wurde von Frau Heck geleitet und beinhaltete ein Rollenspiel. Jeder aus der Gruppe zog ein Kärtchen mit einer Situationsbeschreibung/Informationen über eine Schwangere die mit Wehen zu uns in den Kreißsaal kommt. Ich durfte beginnen. Frau Heck spielte die Schwangere so, wie es auf dem von mir gezogenen Kärtchen stand und ich spielte die betreuende Hebamme. Hauptsächlich ging es natürlich bei dem Rollenspiel um die Vorbereitung und Durchführung einer Vaginalen Untersuchung und um die Vermittlung der Befunde. Frau Heck spielte eine ausgezeichnete Schwangere, dadurch wirkte das Rollenspiel fast real und als Zuschauer wurde man köstlich unterhalten. Nach dem Rollenspiel gab es ein Feedback von der restlichen Gruppe.

Die zweite Station wurde von Frau Jäger-Wolf geleitet. Zwei aus der Gruppe übten an einem Phantom die Vaginale Untersuchung, das Ertasten des vorangehenden Teils sowie der Fontanelle und der Pfeilnaht.  Zwei weitere aus der Gruppe durften an zehn unterschiedlich großen Ringen und mehreren künstlichen Vaginas die verschiedenen Weiten des Muttermundes tasten. Und die übrigen Zwei aus der Gruppe versuchten blind in einer Kiste verschiedene Gegenstände zu tasten und richtig zu erraten. Es war sehr lustig, was so manche gedacht hat, was sie da alles in der Hand hält...  Nachdem alle aus der Gruppe alle Übungen durchgemacht hatten, gingen wir zur dritten Station über.

In der letzten Station durften wir aus Salzteig passende Formen zur vaginalen Untersuchung basteln. Wir ließen unserer Kreativität freien Lauf und formten und gestalteten Portios und Muttermunde in allen Zuständen, Weiten und Längen sowie Vaginas und Schwangerenbäuche.

Kurz vor Schulschluss gab es nochmal eine Feedback Runde. Alle waren sehr zufrieden mit der Art des Unterrichts. Er war sehr gut gestaltet und wir haben viel gelernt und durften das Wissen sofort in praktischen Übungen anwenden. Und das Allerbeste ist, dass wir nun in unseren nächsten Einsätzen im Kreißsaal vaginal untersuchen dürfen.

Ein Tag im Kreißsaal

Heute (17. Juni 2015) hatte ich Bezugsdienst mit meiner Mentorin Julia. Weil heute nicht so viel los war, durfte ich einen Beckenzirkel und Pinardhörrohr holen und eine Schwangere, die auf Station lag, fragen, ob sie bereit dazu wäre, die äußeren Untersuchungen unter Anleitung an sich durchführen zu lassen.

Die äußeren Untersuchungen werden bei der Schwangerenvorsorge durch eine freiberufliche Hebamme und bei der Aufnahme im Kreißsaal durchgeführt. Da am nächsten Tag Frau Heinemann aus der Hebammenschule zum klinischen Unterricht kommen wird, um zu schauen, wie wir unser theoretisches Wissen bei einer Anamnese/Aufnahme in die Praxis umsetzen, war ich sehr froh darüber, dass die Schwangere zugestimmt hat und ich so noch einmal üben konnte.
Schließlich ging ich alle äußeren Untersuchungen durch: Ich führte die ersten drei Leopoldhandgriffe durch, um zu tasten, wie das Kind im Bauch liegt. Ich maß die Beckenmaße mit dem Beckenzirkel aus. Daran kann man erkennen, ob es sich bei dem Becken um ein „normales“  Becken handelt. Außerdem maß ich den Symphysen-Fundus Abstand sowie den Leibesumfang, um zu beurteilen, ob das Kind zeitgerecht entwickelt ist.

Ich war noch ein wenig unsicher und hatte noch Schwierigkeiten, die Stellung des Kindes zu ertasten, aber Julia ermunterte mich immer wieder bei den stationären Frauen zu üben, damit ich etwas mehr Routine bekomme.

Nach Abschluss der äußeren Untersuchungen ging Frau S. wieder auf Station.Es vergingen nicht mal zwei Stunden, da meldete sich Frau S. schon wieder im Kreißsaal: nur diesmal mit WEHEN.

Nachdem Julia die Schwangere vaginal untersucht hat, brachten wir Sie direkt in den Kreißsaal. Ich durfte Frau S. die ganze Zeit betreuen, versuchte sie so gut wie möglich zu motivieren und ihr beizustehen.


Nach zwei Stunden wurde dann ihr kleiner Sohn geboren. Es war eine sehr schöne Geburt. Frau S., die durch ihre erste Geburt „traumatisiert“ war (Grund: sekundäre Sectio), war erleichtert und sehr glücklich. Sie bedankte sich überschwänglich und wollte uns gar nicht gehen lassen.

Während der zwei Stunden Aufenthalt im Kreißsaal nach der Geburt durfte ich das Neugeborene messen, wiegen, anziehen und konnte seiner Mutter beim ersten Stillversuch helfen. Nach Verlegung auf Station, ging der bisher schönste Tag im Städtischen Klinikum zu Ende.

Erfahrungsberichte zweier Hebammenschülerinnen Rebecca Schuster Kurs 2010/13

Wer sich für die Hebammenschule Karlsruhe entscheidet, hat definitiv die richtige Wahl getroffen!

Angefangen mit dem Unterricht, der gut strukturiert und  vielfältig mit reichlich Medien, Anschauungsmaterialien, Erfahrungsberichten, Plakaten und Demonstrationen gestaltet wird.

Abwechslungsreiche Themengebiete wie Geburtsvorbereitung, Rückbildung, Hebammenkunde, Übungen am Phantom, Geburtshilfe und vieles mehr, lassen das angehende Hebammenherz höher schlagen.

Die kompletten drei Jahre sind gut durchgeplant und organisiert, wobei der wohlverdiente Urlaub auch nicht zu kurz kommt. Verschiedene Unterrichtseinheiten geben dem Ausbildungskurs Raum und Platz zu wachsen. Auch werden die verschiedenen Arbeitsbereiche/-felder einer Hebamme vorgestellt, so dass jede ihren individuellen Weg nach dem Examen gehen kann.

Als krönenden Schluss gibt es natürlich auch eine Klassenfahrt, die sich bei uns als ein kleines Abenteuer entpuppt hat : ).

Als Auszubildende wird man in eines der drei Krankenhäuser eingeteilt. Ich durfte im Diakonissenkrankenhaus die Kunst des Gebärens erlernen, die ich bis heute bewahre. Hebammen, Ärzte und Krankenschwestern schaffen dort einen Ort, an dem sich Schwangere/Gebärende/Wöchnerinnen und Begleitpersonen geborgen, respektiert und individuell betreut fühlen. Während der ganzen drei Jahre und vor allem in der Examenszeit habe ich mich von dem geburtshilflichen Team gut unterstützt und vorbereitet gefühlt.

Vielen Dank für die tolle Zeit, an die ich mich gerne zurück erinnere!

Unsere Zeit in der Hebammenschule Karlsruhe: Ilona Klein Kurs 2010/13

Aufgeregt kamen wir zum Vorstellungsgespräch in die Hebammenschule Karlsruhe und wurden von einer herzallerliebsten Sekretärin erwartet. Zusammen mit den anderen Bewerberinnen konnten wir in einem vom Mittelkurs schön dekorierten Raum, mit kleinen Leckereien und einem Plakat, auf dem „Viel Erfolg“ stand, darauf warten, aufgerufen zu werden. Bei dem Gespräch saßen uns einige “Befrager/innen“ gegenüber, denen wir dann knapp und bündig unsere Geschichte und Motivation erzählen konnten. Am Ende bekamen wir nach maximal zwei Wochen das Schreiben, in dem stand, dass wir aufgenommen seien.

Die Freude war groß! Wir bekamen auch alle eine „Patin“ aus dem Mittelkurs, die uns mit Ratschlägen beiseite stand.

Jetzt begann eine spannende und aufregende Zeit. Drei Jahre in Karlsruhe. Für fast alle von uns fern der Heimat. Die Ausbildung begann mit 5 Wochen Unterricht. Das war gut und nötig, um uns auf den ersten Einsatz in den jeweiligen Kliniken vorzubereiten. Gleich am ersten Schultag lernten wir Frau Koch, unsere Schulleitung, kennen. Sie stellte uns in Ihrer enthusiastischen Art die nächsten drei Jahre vor und uns war vom ersten Tag an klar: auf diese Frau können wir und verlassen. Wir sind jetzt ihre Hebammenschülerinnen und egal, was ist, sie wir uns unterstützen, fördern und uns zu guten Hebammen machen. Solange wir unser Köpfchen anstrengen und motiviert sind.  Auch die anderen Dozenten waren stets freundlich und wir konnten im Unterricht das mitnehmen, was wir in der Praxis brauchten.

Nach den 5 Wochen Blockunterricht wurden wir in unseren Praxiseinsatz entweder auf eine Station oder in den Kreißsaal entlassen. Mit dem Stempel, ich bin noch ein „Küken“ und kenne mich nicht gut aus, kamen wir alle gut zurecht und wenn etwas war, konnten wir zusammen mit der Schule und denjenigen, die uns auf den Stationen/im Kreißsaal betreuten, besprechen und lösungsorientiert arbeiten.

So verging das erste Jahr, in dem wir Blockunterricht hatten (3 Wochen Schule – 4 Wochen Dienst in unserer jeweiligen Klinik), wie im Fluge. Von „Küken“ mauserten wir uns in die „Hebammenschülerin“ und später auch in die „erfahrene Hebammenschülerin“.

Im zweiten Ausbildungsjahr änderte sich das System. Ab nun hatten wir in jeder Woche 2 Tage Schule und den Rest Dienst. Im 3. Jahr wurde es dann nur noch 1 Schultag und kurz vor dem Examen gab es eine längere schulische Vorbereitungszeit.

Die Prüfungen, die nach dem ersten halben Jahr mit der Probezeitprüfung begannen, dann zwischendurch immer wieder mal aus einer kleinen Probeklausur bestanden, im zweiten Lehrjahr als Zwischenprüfung zu meistern waren, gipfelten dann natürlich in die großen Examensprüfungen. Das Examen bestand sowohl aus Theorie, als auch aus Praxis. Selbstverständlich waren diese sehr aufregend und nervenzehrend. Jedoch sind wir alle gut durch gekommen, dank der guten Vorbereitung und natürlich auch dem richtigen Maß an Selbst-disziplin. Für die Theorie wurden wir durch den Unterricht und durch Probeklausuren (an alle werdenden Hebammenschülerinnen: fordert Probeklausuren! Das schult enorm!!!) wunderbar vorbereitet. Für die praktischen Prüfungen gab es immer wieder Anleitungstage oder Klinische Unterrichte, an denen uns entweder eine Anleiterin aus dem Kreißsaal oder eine Lehrkraft aus der Schule einen Tag begleitete, förderte und am Ende des Tages mit uns besprach, was gut war oder verbessert werden konnte. Dort habe ich persönlich am meisten lernen können.

Allerdings dürfen wir bei unserem Bericht hier nicht vergessen, die unvergesslichen Projekttage/-wochen und unsere Klassenfahrt zu erwähnen!!! Sowohl das Kommunikationsseminar in Bärental, als auch das Ernährungsprojekt und das Trauerseminar brachten uns viel Wissen und Selbsvertrauen ein. Wir sind als Klassengemeinschaft, als Einzelne und als Hebammen enorm dadurch gewachsen. Auch die Klassenfahrt nach Schweden / Stockholm hatte einen bildenden Hintergrund. Wir konnten uns in einer der größten Kliniken dort den Kreißsaal und die Wochenbettstation anschauen, was sehr interessant war, und den Rest des Tages haben wir zusammen mit unserer Schulleitung Frau Koch und ihrer Begleitung Stockholm erkundet.

Heutzutage, nachdem wir alle entweder wieder in die Heimat gereist, weiter gezogen oder sogar in Karlsruhe geblieben sind, denke ich mit einer gewissen Sehnsucht an meine Ausbildungszeit zurück. Natürlich waren wir bestimmt alle erleichtert, die Ausbildung geschafft zu haben und freuten uns auf unseren neuen Start ins Privat- und Berufsleben. Jedoch wird mir die Zeit an der Hebammenschule Karlsruhe immer als ein sehr positives Erlebnis in meinem Leben bleiben.